Israel


Israel

Isrăel (hebr., »Gotteskämpfer«), Ehrenname Jakobs und seiner Nachkommen, der Kinder I., oder Israeliten; dann seit der Teilung des Reichs (975) im Gegensatz zu Juda das nördl. Reich der zehn Stämme. (S. Hebräer) das Volk I. hat weltgeschichtliche Bedeutung, weil sich aus ihm die Religionsgemeinde der Juden (s.d.) entwickelt hat, und weil seine Religion die Vorstufe des Christentums wurde. – Die Vorgeschichte, die Patriarchenzeit, ist sagenhaft überliefert bis herab auf die Befreiung aus Ägypten durch Moses, der, dem Kultus des Gottes vom Sinai, Jahve, sich anschließend, diesen zum Volksgott I.s erklärte. Die Eroberung des Jordanlandes führte durch Verschmelzung I.s mit den Ureinwohnern zu einer völligen Umbildung des Volks. Die Städte blieben, wie bes. Sichem und Jebus (Jerusalem) bis zur Königszeit den Urbewohnern, die Küste immer (Philister, Phönizier). – Die Richterzeit war eine Zeit wechselvoller Kämpfe, die die Abhängigkeit I.s von den Philistern herbeiführten, aber eben dadurch die festere Einigung des Volks unter Königen förderten. – Die Königszeit bis zum Exil eröffnet Saul, der vergeblich das Joch der Philister abzuschütteln versuchte, was erst dem dritten König, David, gelang, der damit den Staat begründete und ihm die Hauptstadt gab. Salomo gab dieser dann im Tempel ein Heiligtum, das später als Zentralheiligtum für die Ausbildung der Religion den Hauptanhaltspunkt bildete. Nach Salomo erfolgte zunächst eine Teilung in zwei Reiche, Juda und I., die sich befehdeten, bis die Angriffe der Syrer ihr Bündnis herbeiführten. Doch kam es im nördl. Reich durch die Einführung heidn. Gottheiten aus Tyrus zu einer Revolution der Propheten (Elias, Elisa) gegen das Königshaus Omri, die zwar den Jahvekultus herstellte, aber auch die Abhängigkeit von den Syrern erneuerte. Erst deren Bedrängung durch die Assyrer machte I. vorübergehend frei. Es entartete jedoch durch diese Sicherheit. Da erweckte das Herannahen der Assyrer ein Prophetentum, das den Volksgott als sittliche Gottheit und als gerechten Züchtiger des Volks verkündigte und einen Volksglauben begründete, der auch eine schwere polit. Katastrophe zu überdauern imstande war. 722 wurde das Reich I. von den Assyrern zerstört. Aber zugleich wurde die Wiederherstellung I.s der Gegenstand religiöser Hoffnung. Juda wurde 701 durch den Assyrer Sanherib erobert; nur Jerusalem blieb durch den Ausbruch der Pest im assyr. Heere unbesiegt, ein Umstand, der durch den Propheten Jesais zum Hauptstützpunkt der messianischen Hoffnung erhoben wurde. Gleichwohl erfolgte unter dem König Manasse eine heftige heidn. Reaktion; denn da die Befreiung von den Assyrern nicht eintrat, schienen die assyr. Götter die Sieger, und sie wurden daher verehrt. 621 trat der Umschwung ein. An ein im Tempel »gefundenes« Gesetzbuch (jetzt im 5. Buch Mose vorliegend) knüpfte sich unter König Josia eine große religiöse Reform; der Jerusalemer Tempel wurde einziges Nationalheiligtum, dessen streng geregelter Dienst das Heil gewährleisten sollte. Assyriens Fall schien dies zu bestätigen. Aber die Besiegung Josias durch die Ägypter (608) erschütterte alles; Babylon erhob sich, knechtete Juda; die Propheten, außer Jeremias, rieten nun wieder zum Bunde mit Ägypten; die von Jeremias vorausgesagte Rache dafür kam; Nebukadnezar führte den Hauptteil des Volks in die Babylon. Gefangenschaft. – Die Propheten des Exils begriffen dieses Ereignis als gerechte Strafe Jahves gegen das untreue Volk. Nur die Erneuerung der Treue konnte ihn versöhnen, das Volk wiederherstellen. Diese Treue sollte ihren Anhalt finden an einem genau aufgearbeiteten Gesetz; damit beginnt die Umwandlung der israel. Religion zu einem Monotheismus, der die Erfüllung eines religiösen und sittlichen Gesetzes zur Bedingung göttlicher Belohnung macht, die Gegenstand der nationalen Hoffnung wird. Der Hauptbegründer dieser Umwandlung war Ezechiel. – Die nachexilische Zeit, anbrechend mit der 538 erfolgenden Neubesiedlung Judäas durch heimkehrende Exulanten, brachte die Verwirklichung dieser neuen Ideen durch den Neubau des Tempels, Einführung des Gesetzbuchs von 621, und als dies das Gedeihen der Kolonie nicht herbeiführte, durch Einführung des von Esra und Nehemia aus dem Exil mitgebrachten Gesetzes, das später im 2. bis 4. Buch Mose und im Buch Josua verarbeitet, heute als »Priesterkodex« (s. Pentateuch) bezeichnet zu werden pflegt. Eine förmliche Verpflichtung des heimgekehrten Volksteils auf dieses Gesetz fand 444 statt. Damit war die Grundlage für die jüd. Religion geschaffen, die sich in den nächsten vier Jahrhunderten zu der Form entwickelte, deren Zertrümmerung zugleich die Entstehung des Christentums war. (S. Juden und Karte zur Biblischen Geschichte I, bei Palästina.) – Vgl. Ewald (3. Aufl., 7 Bde., 1864-68), Wellhausen (5. Aufl. 1904), Guthe (2. Aufl. 1904).


http://www.zeno.org/Brockhaus-1911. 1911.

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